Was ist eigentlich Zirzensik bzw zirzensische Lektionen.
Hiermit meint man Lektionen, die nicht der reiterlichen Dressur im
ursprünglichen Sinne ähneln, sondern das Erlernen und Abrufen von
"Kunststücken" zur Erlangung von Vertrauen und Gehorsam, aber auch zur
Geschmeidigerhaltung und Gymnastizierung des Pferdes.
So sind einige einfache Lektionen der Spanische Schritt, das Kompliment
oder das Plié.
Voraussetzung für diese Dinge ist, dass das Pferd an Halfter gewöhnt ist
und bereits einfache Signale des Menschen deuten kann.
Die allgemeine Bodenarbeit meint darüber hinaus auch noch, das Führen
das Pferdes, das Rückwärtsrichten und z.B die Seitengänge, auf die ich
hier aber nicht näher eingehen möchte, zumindest das Führen und das
Rückwärtsrichten sollte ein Pferd aber bereits beherrschen bevor man mit
weiteren Lektionen beginnt. Zudem sollte das Dominanzverhältnis geklärt
sein, da der Spanische Schritt oder auch das Steigen ein hohes
Agressionspotential fordert.
Fangen wir also einmal mit dem
Spanischen Schritt an.
Ich brachte Aisso schon früh bei, auf Touchieren mit der Gerte das Bein
anzuheben. Hierzu kitzelte ich ihn mit der Gerte so lange am Bein, bis
er eine Regung zeigte. Sobald er das Bein auch nur ein kleines Stück
bewegte, lobte ich sofort und belohnte mit einem Leckerlie. Dies klappte
im Laufe der Zeit immer besser, so dass Aisso auf das Kommando "FUSS"
zusammen mit dem Gertenzeig das Bein hob. Um das Bein auch möglichst
hoch strecken zu lassen, lobte ich ein gutes Anheben besonders und hörte
danach dann auf.
Mit der Zeit festigte sich das Schema des Beinhebens so dass ich Aisso
dann im Schritt führte und ihn im Schritt immer mal wieder ein Bein
anheben liess.

Durch den ungewohnten Bewegungsablauf blieb er dann nach dem Anheben
meist stehen oder stampfte mehrmals mit einem Bein auf, was ich aber
ignorierte, gute Versuche hingegen lobte ich. So klappte schon nach
einer Weile, die Beine auf Kommando im Schritt anzuheben.
In der nächsten Stufe habe ich dann versucht, schon mal 2 oder 3 Tritte
nacheinander abzurufen. Das artete dann zwar erst mal ein einem
ziemlichen Beinechaos aus, konnte aber ganz schnell bewältigt werden.
Mit der Zeit wurden die Tritte erhabener, flüssiger, die Hinterhand kam
schön mit und Aisso wusste was er tun soll. Einfacher fiel es ihm zudem,
wenn ich ihn vorher ein wenig versammelte und er ein bisschen mehr Zeit
hatte, seine Füsse zu sortieren.
Vor ein paar Wochen sind wir nun zum letzten Schritt übergegangen- dem
Spanischen Schritt vom Sattel aus. Meine Freundin Vanessa touchierte
Aisso vom Boden, während ich die Hilfe vom Sattel aus gab. Ich achtete
zuerst einmal nur darauf, das jeweilige Hinterbein mitzutreiben, da
Aisso immer wieder in die Versuchung geriet, stehenzubleiben. Dies übten
wir zwei Male bis es dann schonetwas flüssiger ging.
Unterm Sattel gab ich mich erst mal damit zufrieden, dass er immer nur
ein Bein hob, da ich ja auch nicht beide Seiten gleichzeitig touchieren
konnte.
Zwischenzeitlich machten ich immer wieder Lernpausen, beschäftigte mich
ein paar Tage lang mit etwas anderem und liess den Spanischen Schritt
ganz weg.
Vor ca 2 Wochen dann versuchte ich einfach mal, den Spanischen Schritt
vom Sattel aus abzurufen, und siehe da, es klappte!

3-4 Schritte schon recht flüssig und sauber. Das war mehr als ich mir
erhofft hatte. Ein tolles Gefühl wenn das Pferd unter einem im
Spanischen Schritt dahinschaukelt.
Mittlerweile klappt es unterm Sattel auch schon sehr gut, auch wenn
Aisso ab und an ein bisschen eilig wird und die Vorderbeine nicht hoch
genug schmeisst, aber wir arbeiten dran. Geduld ist sowieso eines der
Haupteigenschaften die man bei solchen Lektionen mitbringen muss, da man
dem Pferd beide Seiten separat beibringen muss und nicht voraussetzen
kann, dass wenn es auf der einen Seite klappt, die andere Seite auch
automatisch funktioniert.Aktuell kann ich nun den Spanischen Schritt
auch am Langzügel und vom Boden aus auf Fingerzeig abrufen.

Kompliment

Ich denke, das Kompliment habe ich auf ein wenig unorthodoxe Weise
gelehrt. Da wir sowieso einiges an Bodenarbeit schon hinter uns hatten
und ich einiges über das Kompliment gelesen hatte, machten wir uns also
an diese Aufgabe.Es gibt Leute, die das Kompliment mit der Beinlonge
beigebracht haben. Hiervon habe ich aber Abstand genommen, da ich noch
nicht mit dieser gearbeitet hatte und sie mir damit etwas zu unsicher in
der Handhabung war. Ich nahm Aisso am Halfter und hob sein Bein an,
ähnlich wie beim Hufekratzen. Ich stand allerdings in Kopfrichtung,
nicht andersherum wie es beim Hufekratzen der Fall ist. Nun schaute ich
erst einmal, dass ich Aissos Bein parallel zum Boden halten konnte. Der
Untergrund sollte natürlich weich sein und frei von Steinen, damit das
Pferd sich beim Ablegen nicht verletzen kann. Ich gab im nächsten
Schritt Aisso vorne an der Brust eine leichte Rückwärtstendenz, mit
festgehaltenem Bein, so dass er langsam sein Gewicht nach hinten
verlagerte. Dies führte ich mit dem Kommando "Kompliment" aus. Dies
setze ich immer weiter fort, so lange, bis ich sein Bein vorsichtig
ablegen konnte. Aisso sprang natürlich gleich danach wieder auf, jedoch
lobte ich sein "Ablegen" überschwenglich. Dies übten wir nun soweit,
dass Aisso so lange unten bleibt, bis er sein Leckerlie erhalten hat und
dann mit einem "AUF" wieder hochgeht. Wichtig hierbei ist es, sich klar
zu machen, dass auch hier wieder beide Seiten voneinander unabhängig
gelehrt werden müssen. Sicherlich kann es sein, dass die zweite Seite
dann schneller zu lehren ist, dennoch muss der Bewegungsablauf vom Pferd
ganz neu umgesetzt werden. Mittlerweile klappt es auf beiden Händen
schon ganz gut und wir üben derzeit, dass Aisso auch ohne die Führung
des Beines sich hinlegt. Dazu habe ich mittlerweile gelernt, wie man mit
einer Fusslonge umgeht, damit ich Aisso nicht mehr anfassen muss zum
Ablegen. Er soll lernen sich selber auszubalancieren und nicht mehr mich
als Stütze und Beinersatz zu haben.
Knien

Das
Knien übten Aisso und ich aus dem Kompliment heraus. Es war nur noch ein
kleiner Schritt vom Kompliment, bei dem ja schon ein Bein eingeknickt
ist, zum Knien, bei dem einfach nur beide Beine eingeknickt sind. Ich
musste lediglich das 2 Beine touchieren und er knickte auch dies ein.
Spanischer Trab
Den Spanischer Trab entwickelten wir aus dem Spanischer Schritt heraus.
Den haben wir noch lange lange nicht ausgereift, da Aisso noch nicht
genug Last auf der Hinterhand aufnehmen kann. Dennoch zeigt er artig
gute Ansätze. Ich trabte Aisso also an der Hand und touchierte wie beim
Spanischen Schritt die Vorderbeine. Prompt schmiss er diese nach oben
und zeigte schon 2 recht ausdruckstarke Schritte.
Steigen

Das Steigen ist eine recht kontroverse Geschichte, die für viele
Diskussionen sorgt. Letztlich muss jeder selber einscheiden, ob er
seinem Pferd soetwas beibringen möchte. Ich habe mich für ein Ja
entschieden und es bislang noch nicht bereut.Das Steigen habe ich aus
dem Spanischen Schritt entwickelt. Ich hatte es mal gelesen, dass man
einfach wie beim Spanischen Schritt nicht nur ein Bein, sondern gleich
beide Beine touchieren soll, dann würde das Pferd steigen. AHA- na, das
kann ja nur schiefgehen. Gesagt getan. Um Aisso dazu zu bringen, sein
Gewicht vermehrt auf die Hinterhand zu bringen, richtete ich ihn
rückwärts und touchierte beide Vorderbeine und tadaa- ein kleiner Hüpfer
kam zustande. Auch wieder hier ausgiebiges Loben. So üben wir nun weiter
und manche Hüpfer werden schon richtig gut. Worauf ich allerdings achte,
da Steigen nun ja ein recht agressives Verhalten ist, dass ich nach dem
Steigen immer noch kurz das Kompliment übe. Bislang gab es daher auch
noch keine Schwierigkeiten und wir kommen ganz gut voran.