Über mich

Israel 1999/2000

 

"Die Angst ist ein Dieb. Sie stiehlt uns das Heute weil sie uns das Morgen fürchten lehrt."

 
Mit 19 dachte ich, es wäre an der Zeit mal ein bisschen die Welt zu erkunden. Ich bin eine Person, die die Abwechslung und das Neue mag, deswegen entschloss ich, nach Israel zu fliegen.
Ein guter Freund von mir, Florian, mit dem ich schon einige Hochs und Tiefs durchgestanden hatte, war in Israel um dort seinen Zivildienst abzuleisten. So entschloss ich kurz vor Weihnachten 1999, ihn zu besuchen.
 
Also ab in den Flieger von Bremen nach München und von München nach Tel Aviv. Raus aus dem kalten verschneiten Deutschland, rein in das milde Klima Israels.
Florian wartete schon am Flughafen, hatte sich ein Auto geliehen und war todesmutig zum Flughafen gefahren. Todesmutig musste man sein, wenn man in einer Stadt wie Tel Aviv Auto fuhr. Ich bin mir bis heute nicht sicher, ob die Israelis tatsächlich eine Art Strassenverkehrsordnung haben oder ob das Gesetz des Dschungels dort vorherrscht.
Dennoch kamen wir heil in dem Behindertenheim in Herzliya an, in dem Florian seinen Zivildienst ableistete. Im Gepäck hatte ich natürlich jede Menge Weihnachtsgeschenke und Glückwünsche von seiner Familie und Freunden daheim. Das wohl auffälligste und schwierigste Geschenk war ein nicht wirklich kleines Lebkuchenhaus, in einem Karton in Geschenkpapier verpackt. Schwierig deswegen, weil man dem Flughafenpersonal doch irgendwie beibringen musste, dass es mit Vorsicht zu behandeln, aber dennoch harmlos war. Aber irgendwie kam es doch heile an und Florian konnte sich zu Weihnachten drüber freuen.
 
Von Herzliya aus starteten wir immer ein paar Tage in alle Möglichen Richtungen Israels. Zu Anfang war es ein bisschen gewöhnungsbedürftig, dass überall Soldaten mit ziemlich viel Bewaffnung rumstanden, zudem noch Männer und Frauen, da beide Geschlechter dort ihren Wehrdienst leisten mussten- und das für ganze 3 Jahre. Aber man gewöhnte sich schnell daran und nach der ersten Woche war es schon selbstverständlich.
Da Israel ein sehr gutes Busnetz hatte, beschlossen wir, dass es am sinnvollsten wäre per Bus von Stadt zu Stadt zu reisen.
 
Zu Weihnachten besuchten wir Jerusalem. Was für eine Stadt... Wir schauten uns die Klagemauer an, schlenderten stundenlang durch die Winkel und Gassen der wohl geschichtsträchtigsten Stadt Israels. An jeder Ecke gab es etwas neues zu sehen. Vom Damaskustor über die Märkte, wo Händler ihre Ware feilboten und lautstark gehandelt wurde. Überall auf den Märkten lag ein Duft von frischem Obst und Gewürzen in der Luft. Man fühlte sich wie in eine frühere Welt versetzt.
Wir blieben über Weihnachten, besuchten an Heiligabend einen multilingualen Gottesdienst, zu dem Menschen aller Nationen in Jerusalem zusammenkamen. Nach diesem Gottesdienst schlossen wir uns einer Gruppe an und pilgerten nach Bethlehem. Der Marsch kam mir unendlich lang vor, es war, wenn auch tagsüber recht mild, nachts bitterkalt und wir waren alle heilfroh als wir in Bethlehem ankamen. Natürlich schauten wir uns den Ort an wo die Krippe Jesu stand (so vermutet man zumindest), fuhren dann aber in der selben Nacht noch nach Jerusalem zurück und fielen todmüde aber dennoch total aufgewühlt ins Bett.
 
Zwischenzeitlich besuchten wir dann die Städte Haifa, den See Genezareth und die Stadt Tiberias. Es war der Wahnsinn.
Haifa, die weisse Stadt, liegt direkt am Meer. Erst einmal am höchsten Punkt Haifas angekommen hat man einen atemberaubenden Blick auf die Stadt. Man sieht die Gärten von Bahain, die an den Hängen liegen, von denen die goldene Kuppel des Tempels hervorsticht, man sieht die grossen Kornspeicher, die weiss aus der Stadt emporragen und das German Quarter, das sich links und rechts an einer Strasse, die sich schnurgerade durch Haifa zieht, abzeichnet. Und hinter allem das Meer das stahlendblau ruhig daliegt.
Da Haifa wie gesagt direkt an einem Hang liegt, kann man die interessantesten Bauten entdecken. So geht so manch einer zum Beispiel über eine Brücke in sein Haus, da der Eingang im 2. Stock liegt.
 
Silvester verbrachte ich in Tel Aviv. Die Milleniumsparty... Herzliya war ein Vorort von Tel Aviv, so dass wir bequem per Bus in ca einer halben Stunde im Herzen von Tel Aviv ankamen. Tja, und wer denkt, Tel Aviv sei eine Shoppingmeile hat sich gänzlich geirrt. Sicherlich kann man dort gut einkaufen, allerdings nicht als Mitteleuropäerin mit einer Körperlänge von 184cm. Die Sachen dort sind dann doch eher für die kleineren Maße gedacht. Also war Sightseeing angesagt. Tel Aviv ist so ziemlich das Gegenteil von Jerusalem. Neumodisch, modern, kein Flair aus 1000+1 Nacht. Die einzige Gemeinsamkeit ist, dass die Clubszene jedoch beachtlich ist.
Wir lernten ein paar Franzosen kennen von denen einige sehr gut deutsch sprachen. Gewöhnlicherweise verständigt man ansonsten in Englisch, es war aber schon angenehm auch deutsch sprechen zu können. Zum Countdown gingen wir an den Strand- Sekt war eher rar in den Gefilden, jedoch konnte man Wodka und griechisches Bier in Massen bekommen. Es war der Wahnsinn. Etliche Tausend Menschen am Strand, alle fielen sich im neuen Jahr um den Hals und freuten sich miteinander. Ich fragte mich zwischenzeitlich nur kurz, ob dies wirklich das Land ist von dem in den Medien so negativ berichtet wird- wo Mord und Bombenanschläge an der Tagesordnung sein sollten...
 
Mein Eindruck von diesem Land ist ein ganz anderer.