Aisso

Aisso!

Aisso liegend

Dann will ich Euch mal ein bisschen über Aisso und mich erzählen.

 
Aisso hat am 20.05.2000 das Licht der Welt erblickt. Von dem Tag an hatte er mich in seinem Bann.
 
Die ersten 3½ Jahre waren sehr unbeschwert. Spielen, toben, aber auch schon ein wenig lernen standen auf dem Programm. Das Halfter war von Anfang an ein tolles Spielzeug, ebenso wie die große Siloplane, auf die man sich wunderbar draufstellen kann. Wehte einen Plastiktüte über die Weide und rannten alle Pferde vor eben dieser Tüte weg, konnte man sich sicher sein, dass ein Pferd hinterher rannte und die Tüte jagte. Ja, der "kleine Schwarze" mit dem weißen Fleck auf der Stirn war für mich schon immer was Besonderes. Ich denke, alle Pferdebesitzer werden mir beipflichten wenn ich behaupte, dass das eigene Pferd sowieso das Schönste, Tollste und Beste ist. ;-)
ellen
Auch das Hufeschneiden oder das Stillstehen beim Tierarzt war kein Problem für uns. Irgendwann kam dann der Tag, an dem Aisso gelegt werden sollte. Lieber einen glücklichen Wallach besitzen, der jeden Tag mit anderen Pferden auf der Weide steht, als einen Hengst, der nur stundenweise rauskommt und ansonsten in der Box stehen muss. Die Problematik der Hengsthaltung wird ja den meisten bekannt sein. Gesagt, getan.
 
Mit 3½ fingen wir dann an, spielerisch das Longieren zu erlernen. Auch dies war kein Problem für uns. Aisso hat mal wieder bewiesen, dass Friesen unheimlich aufmerksam und gelehrig sind. Zu Anfang habe ich lediglich mit Halfter longiert, später dann mit Kappzaum. Der nächste Schritt war dann unter dem Kappzaum auch eine Trense aufzuziehen. Idealerweise baut man meiner Erfahrung nach eine Trense auseinander und nimmt nur Genick und Backenstücke. Dazu dann das Gebiss. Ich habe ein doppelt gebrochenes Aurigan- Olivenkopf- Gebiss benutzt und damit bislang nur gute Erfahrungen gemacht, ebenso mit dem Kappzaum. Junge Pferde machen doch öfter mal den ein oder anderen Hüpfer zur Seite. Und damit sie nicht jedes Mal einen Ruck im Maul bekommen, ist ein Kappzaum schon eine gute Investition. Es macht sich später auf jeden Fall bezahlt.
 
Als die Kommandos Schritt, Trab, Galopp und auch Halt an der Longe über die Stimme gefestigt waren und er auf beiden Händen gleichmäßig ging, begann die Arbeit mit Ausbindern. Zuerst musste ich Aisso an den Longiergurt gewöhnen und dass da sich etwas auf seinem Rücken "festkrallte". Es dauerte nicht lange, da konnte ich ihn davon überzeugen, dass dieses Etwas ganz harmlos ist und man sich davon nicht weiter beeindrucken lassen brauchte.aisso3
 
Der nächste Schritt war dann, einen Ausbinder, lang und tief eingeschnallt, außen zu befestigen. Wichtig war mir hierbei, dass der Schub aus der Hinterhand kommt. Aisso sollte sich vorwärts-abwärts gegen den Ausbinder dehnen und die Anlehnung an diesen suchen. Dies war immer primäres Ziel. Später kam dann neben der Anlehnung, mit dem inneren Ausbinder auch die Stellung hinzu. Auch hier hat sich der Kappzaum wieder einmal bewährt. Ich konnte so kleine Paraden geben, ohne im Pferdemaul zu ziehen, damit die gewünschte Stellung erzielt werden konnte. Auch wieder hier wichtig- immer schön vorwärts!
In der klassischen Ausbildung wurden Pferde, die angeritten werden sollten, auch anfangs an der Longe ausgebildet (es ist erschreckend wie sehr dies vernachlässigt wird!). Ein großer Mensch stand in der Mitte und hielt die Longe, während ein kleinerer Mensch das Pferd vorwärts trieb. Damit war gewährleistet, dass der Schwung aus der Hinterhand kommt und das Pferd durchlässig sich an das Gebiss dehnte. Dieses Ziel verfolgte ich also auch.
 
Zwischen den Arbeitseinheiten an der Longe, lockerte ich die Arbeit mit Spaziergängen oder zirzensischen Lektionen auf. So lernte Aisso sehr schnell auf ein Podest zu klettern, Anfänge des spanischen Schrittes und allerlei andere Dinge.
 
Dabei kam es zum einen natürlich darauf an, dass die Arbeit nicht zu eintönig werden sollte, zum anderen kam es auch darauf an, dass Vertrauen und Gehorsam geschult werden.

aisso1

Genauso kamen dann die Seitengänge an der Hand hinzu. Lernt ein Pferd diese bereits vom Boden aus, erleichtert es die Arbeit unterm Sattel ungemein. Die Bewegungsabläufe und das Stimmkommando sind dann bereits bekannt, so dass man dies nur noch unterm Sattel umsetzen muss. Ausserdem wird die Hinterhand gestärkt und auf die weitere Arbeit vorbereitet.
 
 
 
Als Aisso dann ca 4 Jahre alt war, kam der große Moment. Ich wollte mich das erste mal draufsetzen. Natürlich hatte ich ihn bereits an den Sattel gewöhnt und den Muskelaufbau und die Gymnastizierung permanent fortgesetzt. Das erste Aufsitzen sollte dann jedoch ohne Sattel erfolgen.
 
Ich habe mir also jemanden gesucht, der mir das Pferd am Halfter festhält. Nach anfänglicher Nervösität meinerseits habe ich all meinen Mut zusammengenommen und mich erst mal über seinen Rücken gelehnt, damit er merkt, dass "da was ist". Das klappte auch ganz gut. Aisso brillierte durch Gelassenheit, ja, man könnte schon fast meinen Desinteresse. Ich mich also ganz wagemutig auf ihn draufgeschwungen. Das einzige was mein Pferd dann machte war ein kurzes Schnüffeln an meinem Schuh und einen Blick der besagte "Och, Du bist das bloß".
Soweit- so gut. Die erste Runde auf meinem Pferd sollte also beginnen. Ich versuchte natürlich ganz lässig da oben draufzusitzen, ohne dass Aisso meine Aufregung merkte. Wollte ihn ja nicht beunruhigen. Erstaunlicherweise war es aber umgekehrt. Mit jedem Schritt den er tat, wurde ich ruhiger. Wieder einmal musste ich erkennen, dass gegenseitiges Vertrauen die Basis einer solchen Arbeit ist. Aisso zuckte nicht einmal mit der Wimper, geschweige denn machte er den Anschein durchzugehen.
Schließlich sagte ich meinem Helfer, dass er mir den Führstrick doch in die Hand geben soll, damit er ein paar Fotos machen kann. Er fragte zuerst, ob das mein Ernst sei, aber nach einem beherzten "JA" hat er mir dann tatsächlich den Strick in die Hand gedrückt und die Knipserei ging los.dreireiten

 

Aisso hat sich meisterlich geschlagen an dem Tag.
Nach ein paar weiteren Ritten, dann auch mit Sattel und ein bisschen Schritt und Trab, hatte Aisso erst einmal wieder eine längere Pause. Er sollte noch ein bisschen erwachsener werden und ich wollte ihn nicht zu früh einreiten.
Also ging er den Sommer über auf die Weide, um noch ein bisschen erwachsener zu werden.
 
Im Herbst ging es dann weiter mit leichter Arbeit an der Longe. Ein paar Male reiten war auch dabei, bis dann der Wintereinbruch kam.
 
 
Aber ebenso kam das nächste Frühjahr. Wieder wurde viel an der Longe gearbeitet und die zirzensischen Lektionen wurden ausgebaut. Ich wollte, dass Aisso mich auch ohne Folgeschäden problemlos tragen kann. Die Rückenmuskulatur sollte dementsprechend stark sein. Der erste Ausritt liess dann auch nicht lange auf sich warten. Aissos schauspielerische Leistungen sind wirklich bemerkenswert. Er tat so, als hätte er in seinem ganzen Leben noch nichts anderes gemacht als im Gelände zu gehen. Er lief vorneweg, die Ohren gespitzt, in zügigem Tempo. Nichts konnte ihn wirklich aus der Ruhe bringen, weder der Milchlaster, noch der nette Herr, der mitsamt Pferdeanhänger uns hupend überholte.
 
40Seit Mai 2005 arbeiten wir nun intensiver, nehmen Unterricht in klassischer Reitweise und Zirzensik bei Silke Frisch-Branderup und Ellen Graepel.
 
Aisso geht die 3 Grundgangarten (den Galopp mehr oder weniger gut) , Schenkelweichen und Schulterherein in Schritt und Trab auf der Geraden und auf der Zirkellinie. Daneben haben wir unsere zirzensischen Lektionen ausgeweitet und arbeiten fleissig an der Hand. Aber lest dazu mehr unter Aissos Ausbildung...